Vorwort

Die Ursachen der Migration sind so zahlreich wie die Artenvielfalt in der Natur und Ihre Existenz ist so alt wie die Menschheit selbst. Zu- und Abwanderung ist also kein Phänomen der Modernen. Es wäre also zutreffend die Existenz der Menschheit der Geschichte von Migration gleichzusetzen, schließlich hat sich die Menschheit historisch gesehen von Afrika ausgehend über den ganzen Globus auf diese Art verteilt.
Immer dann, wenn den Menschen in Ihrem gewohnten Lebensraum die Mittel Ihrer Existenz nicht mehr gegeben waren, bemühten Sie sich um die Selbigen. Diese Bemühungen gingen in den meisten Fällen mit der Veränderung des Lebensraums einher. Die einzige Konstante bzw. Konsequenz, wie unterschiedlich auch die Ursachen von Migration sein mögen, ist die Entwurzelung, die Migration immer zur folge hat.

Auch in Deutschland beginnt die Geschichte der Einwanderung nicht nach dem 2. Weltkrieg sondern hat Ihren Ursprung bereits im späten 18. Jahrhundert. In den 1920er Jahren gab es analog den 1950er und 1960er Jahren bereits ein Arbeitmarktorientiertes Anwerbeabkommen
mit Polen und der Tschechoslowakei. Im Jahr 1932 zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise gab es dann auch ein Anwerbestopp. Also eine fast identische Entwicklung wie in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg. Auch hier lässt sich eine Konstante ermitteln; das sogenannte Rotationsprinzip. Diese zeitliche Begrenzung ist der Grund, dass sich sowohl die Anwerber als auch die Angeworbenen nicht um „Integration“ bemüht haben, denn die historische Konstante der Entwurzelung trat bzw. sollte ja nie eintreten.

In diesem Zusammenhang können wir auch die Aussage „Deutschland ist kein Einwanderungsland“ einerseits negieren, denn historisch gesehen ist Sie es. Des weiteren lässt sich daraus auch der Sinn dieser Aussage klar ablesen. Diese Aussage ist und kann also nichts anderes als ein politisches Bekenntnis und somit die Bekundung eines bzw. keines Interesses an der Integration zugewanderter Menschen sein.


Mittlerweile sind seit dem Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland 50 Jahre vergangen. Die Entwurzelten Arbeitsmigranten der 60er und 70er Jahre und die politischen Migranten der 70er und 80er Jahre haben in Deutschland wurzeln gefasst und eine neue Heimat gefunden, die Ihnen die Mittel, die Bedingungen Ihrer Existenz nach wie vor bietet.

Die Probleme mit welchen Sie vormals zu Kämpfen hatten, existieren immer noch, nur in anderen Verlaufsformen. Die Herausforderungen,
die Gebote die als Maßstab gelungener Integrität fest- und angelegt werden, haben nicht den Zweck eines homogenen Zusammenlebens
sondern die Prüfung auf Tauglichkeit dieser Menschen unter den „neuen“ Vorzeichen von Standort- und Konkurrenzfähigkeit der Nation. Heutzutage ist also Migration fundamental durch die Interessen der Unternehmer und Ihren Erfolg geprägt. Migration ist Mittlerweile eine kalkulatorische Größe des Unternehmertums.


Der Fachkongress Migration stellt im Umgang mit der ganzen Thematik eine neue Herangehensweise dar. An Fachkongressen, an Tagungen, an Fortbildungsmaßnahmen im Bereich der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, an parteipolitisch und (massen-) medial initiierten öffentlich geführten Diskussionen und Diskursen zum Thema Migration besteht wahrlich kein Mangel – wie nicht zuletzt die sog. Sarrazin-Debatte zeigt. Was allerdings die Migrationsdiskurse mehrheitlich und insgesamt eint ist die seit 50 Jahren geltende Sichtweise, Menschen nichtdeutscher Herkunft stellten, mehr oder weniger, doch prinzipiell auf jeden Fall, ein gesellschaftliches Problem dar, weshalb sich der Migrationsdiskurs konsequent zu einem Diskurs über „Migranten“ fortentwickelt hat an dessen Ende nunmehr einhellig und nicht weiter hinterfragbar die Forderung, das Gebot „Integration“ steht. Ausgeblendet bleibt dabei, wohin hinein sich die „Migranten“ eigentlich zu integrieren haben. Der Fachkongress 50 Jahre Migration will bewusst und begründet diesem Mainstream eine Absage erteilen
und eine andere, eine neue Sichtweise eröffnen.